02.06.2010 15:10

Total sozial!

Social Media im Gesundheitsbereich

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Im Fokus von Labor3 steht der Themenbereich Healthcare. Ein Bereich, der zukünftig nicht mehr ohne Social Media auskommen wird. Das Ganze ist kein Hype mehr, aber auch noch lange nicht der Schlüssel zum Erfolg. Die Vorteile und Potentiale dieser Entwicklung liegen auf der Hand, ebenso ihre Risiken.

In einer Studie von »Digitas Health« wurden mehr als 1000 Ärzte und Patienten in Europa und den USA befragt. Das Ergebnis ist so spannend wie aufschlussreich: 33% der Deutschen vertrauen Informationen zu Gesundheitsthemen, die sie über Blogs, Foren und Online-Communities erhalten und liegen damit über dem europäischen Durchschnittswert von 27%. Vielleicht ist diese Zahl nicht ganz so überraschend. Die nächste dafür umso mehr: 70% der europäischen Ärzte gehen davon aus, dass Social Media eine zunehmende Rolle bei der Meinungsbildung von Patienten im Hinblick auf ihre medizinische Behandlung und ihren Gesundheitszustand spielen werden. Also höchste Zeit, hier auch einzusteigen?

In Anbetracht der Zahlen: Ja. Aber Medizin lebt von Vertrauen. Und die Missbrauchsmöglichkeiten im Social Web sind zahlreich. Aktuelles Beispiel ist der Facebook Account von Sara Baker – nett, kommunikativ, schwanger und das Ergebnis mehr oder weniger kreativer Pharma-Marketer. Sara berichtete in ihrem Profil über ihre Schwangerschaft – sie erwartete Zwillinge – und streute gut dosiert immer wieder den Namen eines Präparats ein, das ihr in dieser Zeit geholfen habe.

Social Media ermöglichen genau jene Kommunikationsinstrumente, die auf Werbedeutsch mit Maßnahmen »below-the-line« bezeichnet werden: unkonventionelle, persönliche Kommunikation, die Zielgruppen direkt und persönlich ansprechen, möglichst getarnt als »unabhängige Information«. Social Media bilden eine ideale Plattform – und den idealen Nährboden für unethische Kommunikationsmaßnahmen, kaum fassbar für Sanktionen durch Gerichte und Schiedsstellen.

Also, sollte sich der Gesundheitssektor auf Social Media einlassen? Oder ist die Gefahr des Vertrauensverlusts zu hoch? Das Risiko wiegt schwer. Auf der anderen Seite zeigt die Digitas Health Studie eindeutig, dass sich europäische Verbraucher eine Mitwirkung von Ärzten in Social Media wünschen – etwa über Gesundheitsportale, Foren oder Communities. Bei unseren Labor3 Kunden konnten wir feststellen, dass über Portale wie »klinikbewertungen.de« die Anzahl an Zugriffen auf deren Webseiten deutlich gesteigert wurde. Die Kommentare von Patienten sind zudem als Gradmesser für die Patientenzufriedenheit eine äußerst ergiebige Quelle. Und Patientenzufriedenheit bleibt eines der am wenigsten umstrittenen Marketing-Kontrollinstrumente und ein wesentliches Kriterium im Qualitätsmanagement. Wenn interne Rahmenbedingungen erfüllt sind und Social Media wohl überlegt und richtig platziert eingesetzt werden, kann sie sehr bereichernd sein. Außerdem: Patienten reden so über so über einen – wer Profil zeigt im Social Web, weiß wenigstens wie.

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